Meine Abschlußarbeit

Teil 1

Im Frühjahr 2022 hatte ich eine Arbeit zu Abschluss meiner Ausbildung zum Tanzpädagogen geschrieben. Die Texte werde ich hier nach und nach veröffentlichen. Dazu werde ich etwas erklären, erzählen, wie ich heute einige Aussagen finde und welche zusätzlichen interessanten Informationen es gibt. Ich beginne mit dem Titel und dem ersten Kapitel.

Freier Tanz

Freie Körper

Freie Kultur

Tanzpädagogik für die Freikörperkultur

Eckhard Arcypowski-Stratmann

Ausbildung zum Tanzpädagogen, 2020 – 2022

Akademie für Tanzpädagogik Bochum

Leitung: Gabriela Jüttner

Der rote Faden meiner Tanzpädagogik-Ausbildung

Schon vor meiner Ausbildung wollte ich kreativen Tanz mit Freikörperkultur verbinden. Wenn in FKK-Vereinen getanzt wird, dann meist bekleidet, sogar bei Sport oder Gymnastik. Sollte man auf einem FKK-Gelände eigentlich nicht alles nackt machen können? Ich überlegte, etwas anzubieten, bei dem es dazu gehörte, sich nackt zu bewegen, las etwas über Adolf-Koch-Gymnastik, fand nach Jahren Bezüge zum Ausdruckstanz und dann das Zentrum für Bewegung und Tanz. Seit einem ersten Grundlagenkurs versuche ich seit 2018, meine Tanzbegeisterung unter Naturisten zu verbreiten. War Tanz nicht ursprünglicher Teil der Freikörperkultur?

Um 1900 begann eine Gruppe sehr unterschiedlicher Menschen, ihr Projekt alternativen Lebens im Tessin zu realisieren. Im Mythos vom Monte Veritá sind Nacktheit und Tanz verbunden. Bewohner des Dorfes Ascona nannten die Leute auf dem Hügel „Balabiott“ was so viel wie Nackttänzer bedeutete, aber auch das Fremde, Verrückte, Ekstatische und Sexuelle, das sie in ihnen sahen und was sie maßlos aufregte.[1] Der Monte Veritá ist Kristallisationspunkt einer Zeit, in der viele Menschen begannen, über viele Dinge neu zu denken und Neues auszuprobieren, um auch den negativen Folgen der modernen Zeiten zu entfliehen.


[1] Vgl.: 1900, Peter Michalzik, S. 113

Dort tanzten Rudolf von Laban und seine SchülerInnen im Licht-Luft-Bad, frei davon einer Musik zu folgen, oft mit Choreografien. Auch Mary Wigman gehörte zu diesem Kreis.

Ein ungewöhnlicher Pionier einer freien Körperkultur war Adolf Koch. In seinen Instituten gab es ärztliche Beratungen, Duschen, Höhensonne, Bürstenmassage, Heilgymnastik, Gesprächskreise über Beziehungs-, Erziehungsprobleme und Sexualität und eben eine freie Gymnastik, bei der sich alle, Frauen, Männer und Kinder gemeinsam, nackt, frei und individuell nach seinen Aufgabenstellungen zu seiner Klaviermusik bewegten. Ihm ging es um Menschen, die unter schlimmen Lebens- und Arbeitsbedingungen litten. Sie sollten lernen, sich selbst und gegenseitig wahrzunehmen und zu achten, wie sie waren. Ihre Körperscham sollte dem Körperstolz weichen und ein Bewusstsein für den Wert eines jeden Menschen wachsen.

Jenny Gertz, auch Sozialistin und Schülerin von Laban, übte in Hamburg nackt mit einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen Bewegungschöre. Hier gibt es einen Link zum FKK-Museum von Michael Otto. In einem Buch von Rudolf von Laban gibt es eine Reihe Bilder ihrer damaligen Kindertanzgruppe. Im Buch wurde sie nicht erwähnt. Da ging es ihr wie anderen Frauen zu der Zeit, deren Leistungen von Männern kaum gewürdigt, aber genutzt wurde.

https://www.fkk-museum.de/buecher/buch-048.html

Eine andere Laban-Schülerin, Herta Feist, hatte Kontakt zu Wandervögeln und zur Freikörperkultur. Sie ließ sich und ihre SchülerInnen von Gerhard Riebicke, einem Freund von Adolf Koch, nackt tanzend unter freiem Himmel fotografieren. Ein Bild mit dem Titel, Zweiklang, das sie mit ihrer Meisterschülerin in einem gemeinsamen Sprung zeigt, ähnelt ein wenig dem Logo der FKK und ist Teil vieler Publikationen. So sieht man es auf der Titelseite eines Buches von Karoline von Steinaecker, „Luftsprünge, Von den Anfängen moderner Körpertherapien“. Gemeint ist die Atem- und Leibpädagogik, die man auch Gymnastik nannte. Es hat mir damals sehr geholfen, bei meinen Recherchen. Auch darin finden sich Beispiele, wie die Leistungen von Frauen gering geschätzt wurden.

Hier ein Link zu dem angesprochenen Foto auf der Seite des Deutschen Tanzarchives in Köln zu Herta Feist.

/https://www.deutsches-tanzarchiv.de/fileadmin/user_upload/www.tanzarchiv-koeln.de/Nachlaesse_und_Sammlungen/Feist/feist09.jpg

Und hier noch ein Beitrag vom Tanzarchiv in Köln zu Tanz und Freikörperkultur:

/https://www.deutsches-tanzarchiv.de/archiv/thematische-sonder-und-kunstsammlungen/freikoerperkultur-und-tanz/

Aktuell gibt es ein Beispiel in Ungarn, von Tanz in Verbindung mit Freikörperkultur, wo Márta Ladjánszki seit Jahren, gemeinsam mit dem Naturisták Virtuális Klubja Egyesület, eine „Tanzserie mit nackten Zuschauern“ veranstaltete. 2021 endete wohl die Zusammenarbeit.

https://www.youtube.com/watch?v=I9gbnBq6LIQ

Die Fédération Française de Naturisme hat eine Aktion Stop-Body-Shaming gestartet. Frauen und Männer haben sich nackt und bewegt fotografieren lassen. Die Bilder werden in einer Ausstellung und im Internet gezeigt. So treten sie jenen entgegen, die Menschen wegen ihres Aussehens, auch im Internet, mobben, beschämen und benachteiligen. Für viele deutsche Vereine  wäre so etwas grenzwertig, aber auch in der FFN wurde diese Aktion kontrovers aufgenommen. Leider gibt es kaum noch die Bilder mit viel Bewegung auf den Internetseiten. Sie wurden immer wieder ausgestellt.

https://www.youtube.com/watch?v=-f8g_1PkkV4

https://leblogdelaffn.fr/stopbodyshaming/

Seit ich im Zentrum für Tanz und Bewegung lerne, waren Leben und Werk von Barbara Mettler und Anna Halprin für mich meine wesentliche Orientierung meiner tanzpädagogischen Ausbildung und Arbeit.

Erfuhr Barbara Mettler während ihrer Zeit in der Schule von Mary Wigman in Dresden davon, dass hier und da an Schulen nackt geübt wurde? Auch wenn SchülerInnen von Mary Wigman dem Maler Ernst-Ludwig Kirchner nackt in Tanzposen Modell standen, ist das kein sicherer Hinweis, dass in der Schule auch nackt geübt wurde. Es war aber offensichtlich weit verbreitet.

Barbara Mettler ließ ihre SchülerInnen in den USA mit knapper schwarzer Kleidung üben, die Arme und Beine freiließ, weil jede Bedeckung von der Gestalt des Körpers und der Empfindung der reinen Körperbewegung ablenken könnte.

Wenn sie lieber andere Kleidung wollten, sagte sie: „Lasst uns alle ein Stück Stoff bringen und uns damit bekleiden und wir werden sehen, wie dies unsere Bewegungen beeinflusst.“ *

* Tanz als Lebenselement, S. 21/23, Barbara Mettler – hier der Link zur englischen Ausgabe dieses Buches im Mettler-Archiv. Dort gibt es noch viele weitere Schriften von ihr.

https://www.hampshire.edu/sites/default/files/archives/mettler/DanceAsAnElement.pdf

Anna Halprin, ebenfalls Amerikanerin, zeigte sich gegenüber Nacktheit recht offen. Noch Im hohen Alter zeigte sie sich nackt tanzend in Filmen und wohl auch auf der Bühne. In ihrem Film, Returning Home beschäftigt sie sich mit ihrem Kontakt mit den 4 Elementen, Erde, Luft, Wasser und Feuer. Hier der Trailer dazu.

/https://www.youtube.com/watch?v=EvyI2MXzy4c

Der nächste Link führt zu einer Aufnahme von der Rekonstruktion von Parades and Changes, mit dem Anna Halprin 1965 auf Tournee ging. In New York bekam sie Ärger. Gezeigt wird der Paperdance.

https://numeridanse.com/en/publication/parades-changes-replays-2/

Auch Naturisten sind nicht frei von Scham. Bewegt ist der nackte Körper besonders sichtbar und das wird gern vermieden. Besonders Frauen fürchten, von Männern, aber auch von Frauen, abschätzig oder als Sexualobjekte betrachtet zu werden, würden sie sich zu offen nackt zeigen.

Es gibt aber auch Frauen, die versuchen gerade durch ihr selbstbewusstes, nacktes Auftreten die negativen und aggressiven Reaktionen auf weibliche Körper zu verändern. Sie wollen diese alten Regeln nicht weiter akzeptieren.

John Graham, ein langjähriger Tanzpartner von Anna Halprin sagte einmal:

„In uns wohnt eine Eitelkeit, die uns veranlasst, dem Altbekannten zu folgen. Es ist manchmal hart, andere Dinge zuzulassen; Frage: Schaffe ich es, Neues zu denken?“ *

* “Hold less, balance more.“ Interview mit John Graham, Lebensqualität, 1/2009. Hier ein Link zu diesem Artikel.

https://verlag-lq.net/resources/10-vlq/01-zlq/01-Artikel/01-Print/2009/1/lq-0901-09-Hold-less-balance-more.pdf

Miteinander nackt zu sein und miteinander zu tanzen kann Ausdruck von Lebensfreude sein. Beides ist vielleicht nicht nötig, um gesund zu leben, aber es kann guttun.

Beides macht auch möglich, Gemeinschaft in besonderer Weise zu erleben.

Tanzpädagogik – eine persönliche Definition

Sie führt zu einmaligen Augenblicken voller Lebendigkeit, Bewegungskunst und Ausdruck.

Es wird Wissen und Erfahrung über die Form, Funktion, Möglichkeiten und Grenzen unserer Tanzkörper vermittelt. Darauf kann die Entwicklung von Ideen und Versuchen eigener Gestaltung aufbauen. Interessante Bewegungen werden vermittelt und auch technisch eingeübt. Auch eine Vorbereitung zur Präsentation von Performances und Choreografien ist Teil der Tanzpädagogik.

Wie kam ich zu Tanz und Freikörperkultur?

Hier habe ich einen Teil meiner Arbeit neu geschrieben, weil ich vieles an meiner Geschichte inzwischen etwas anders darstellen wollte. Es ging mir auch darum, mein Interesse an Freikörperkultur und Tanz mehr in den Fokus zu rücken.

Ich bin aufgewachsen, im Pastorenhaus einer kleinen Freikirche, in der meine Mutter Mitglied war und wodurch wir viel Kontakt zu den Pastoren und den Mitgliedern hatten. Es war für mich ein eher einschüchternder Umstand. Mir wurde Respekt Wohlverhalten gegenüber all den Leuten, die auch oft zu uns in die Wohnung kamen, abverlangt. Die ganze Familie meiner Mutter, ihre vielen Geschwister, waren mit dieser Kirche verbunden.

Auch mein Vater hatte viele Geschwister. Sie waren jedoch eher distanziert zur Kirche. Mein Vater war deutlich jünger als die anderen, war nach dem frühen Tod seines Vaters, einem Kommunisten, getauft worden, schwärmte von seiner Zeit bei der Hitlerjugend und als junger, vom Krieg verschonter Soldat und trat später aus der evangelischen Kirche aus. Er war Maurer, arbeitete in einem Stahlwerk beim Ausbau der Schmelzöfen.

1963 zogen wir um, ins Haus meiner Großeltern, den Eltern meiner Mutter. Bei meinem Opa fand und las ich 1964 in einer Zeitschrift, die Serie „Die Nackten“ von Rolf Lasa, über die Freikörperkultur. Mein Opa fand es auch interessant und ich durfte weiterlesen und erzählte begeistert davon, wo sich die Gelegenheit bot. Ich bekam oft positives Echo, aber auch Probleme in der Schule.

Irgendwann entdeckte ich ein Buch über Yoga und übte fleißig. Es war etwas ganz anderes als der Schulsport, bei dem ich mich als zu langsam und als zu wenig geschickt erwies. Ich hasste Sport. Mein Vater meinte, ich würde mit meinen exzentrischen Ideen noch mehr zum Außenseiter. Mein Lieblingsyogabuch war „Das Sonnengebet“ von einem Rajah von Aundh, 1952. Apa Pant hieß er, ein Anhänger Gandhis.

Ich war aber auch noch begeistert von der damals noch neuen Art, ohne Tanzhaltung, frei im Raum und ohne festgelegte Tanzschritte zu tanzen. Mit den Jahren entwickelte ich eine sehr individuelle Art zu tanzen, die mir manchmal sogar Lob und Bewunderung einbrachte.

Als in meiner Kirche ein Versuch einer offenen Jugendarbeit, u.a. mit wilden Tanzabenden, vom Gemeindevorstand untersagt wurde, begleitet ich die Suche der Initiatoren nach anderen Möglichkeiten. So kam ich in Kontakt zu einem Vikar in einer evangelischen Kirchengemeinde, der auch Kontakte zu sozialistischen Gruppen und einem Kreis hatte, der eine Drogenhilfeeinrichtung gründen wollten. Ein Release-Center, nach amerikanischem Vorbild sollte es werden. Bald stand ein altes Haus am Stadtpark zur Verfügung. Ich half bei der Renovierung und beim Betrieb einer Teestube. Es wurde ein Treffpunkt mit einem sehr bunten Publikum.

Leider wurde irgendwann versucht, ernsthaft mit der eigentlich geplanten Hilfe für Drogensüchtige zu beginnen und immer mehr kamen auch Drogen ins Haus. Das enttäuschte mich und ich zog mich zurück.

Während meiner Zeit in der ambulanten Pflege hatte ich etwas über Kinästhetik, rhythmische Einreibung, Bobath, Hilfen bei Schluckstörungen, Ausscheidungen und vieles andere gelernt. Immer ging es darum, die Möglichkeiten zu entdecken, die kranke Menschen hatten, um ihnen zu helfen, diese Ressourcen zu nutzen und zu entwickeln. Ich fand besonders die Kinästhetik besonders interessant, die ja etwas mit Tanz zu tun hatte, oft mit dem körperlichen Einfühlen und Zusammenspiel mit einer anderen Person. Es wurde philosophiert, über Religion, Drogen, Subkulturen und Politik geredet, gemalt, musiziert, getanzt und gefeiert. Leider wurde irgendwann versucht, ernsthaft mit der eigentlich geplanten Hilfe für Drogensüchtige zu beginnen und immer mehr kamen auch Drogen ins Haus. Das enttäuschte mich und ich zog mich zurück.

Während meiner Zeit in der ambulanten Pflege hatte ich etwas über Kinästhetik, rhythmische Einreibung, Bobath, Hilfen bei Schluckstörungen, Ausscheidungen und vieles andere gelernt. Immer ging es darum, die Möglichkeiten zu entdecken, die kranke Menschen hatten, um ihnen zu helfen, diese Ressourcen zu nutzen und zu entwickeln. Ich fand besonders die Kinästhetik besonders interessant, die ja etwas mit Tanz zu tun hatte, oft mit dem körperlichen Einfühlen und Zusammenspiel mit einer anderen Person.

Mit meiner Frau lernte ich später eifrig Tanzen in einer Tanzschule und wir beide wurden ein richtig gutes Tanzpaar. Wir waren gleichzeitig Mitglieder in einem FKK-Verein und zeigten dort mehreren Paaren, das auch sie tanzen lernen konnten.

Durch unsere vielen unterschiedlichen Dienstzeiten in der Krankenpflege wurde es aber immer schwerer, regelmäßig zur Tanzschule zu gehen oder im Verein weiterzuarbeiten.

Über den Sport im FKK-Verein begann ich mich sportlich mit Schwimmen, Laufen und Radfahren zu beschäftigen. Ich war immer noch langsam, war aber offenbar ausdauernder als manch andere. Irgendwann lief ich enen Marathon nach dem anderen und schließlich begann ich mit Triathlon. Dabei lernte ich viel über verschiedene Übungen und Techniken. Obwohl ich Triathlon als leistungsorientierter empfand, liebte ich die langen ununterbrochenen Rennradtouren bei den Wettkämpfen.

Ich arbeitete damals in der Psychiatrie und bot immer wieder Laufen und Tanz als Freizeitaktivitäten an. Tanz war leider etwas problematischer. Mit meinem heutigen Wissen würde ich es wohl anders angehen.

Mit dem Sport ging es lange gut, aber 2016 lief ich das letzte mal einen Marathon und gab dann wegen andauernden körperlichen Problemen den Sport auf. Es dauerte lange, bis die schmerzhaften Folgen nachließen. Dabei hat mir sicher mein neuer Tanz geholfen. Bei dem konnte ich probieren, wie ich mich schmerzfrei bewegen konnte und langsam wurde es besser.

Ich hatte damals die Tanzschule von Gabriele Jüttner entdeckt und sie passte überraschend gut zu dem, was ich mir als Bereicherung für unseren damaligen FKK-Verein vorgestellt hatte. Ich machte viele verschiedene Kurse, dreimal einen einjährigen Grundlagenkursus und schließlich die Ausbildung zum Tanzpädagogen. Leider waren die Mitglieder in unserem FKK-Verein nicht so begeistert, wie erwartet.

Auf welchen Werten, Haltung und Leitbildern beruht mein pädagogisches Handeln?

Tanzpädagogik sollte anregen und helfen, in Bewegung zu kommen, Freude an Bewegung zu entdecken und Lust auf mehr zu bekommen. Menschen sollen sich in einer Gruppe, die ich anleite, wohlfühlen. Sie sollen sich nicht gedrängt, sondern eingeladen fühlen. Es geht mir weniger um die Vermittlung von Lerninhalten als um die Anregung zum Selbstforschen, Entdecken und Staunen. Sie sollen selbst bestimmen, was sie wie davon äußern und zeigen wollen.

Ich möchte meine Arbeit aber auch an persönlichen Anliegen orientieren. Menschen sollen ihren eigenen Interessen folgen, aufmerksam aufeinander eingehen und nicht gegeneinander Ideen durchsetzen, sondern gemeinsame Wege suchen und finden. Teilnehmende sollen sich sicher und gestärkt fühlen, ihre Gedanken und Gefühle zu äußern und gelassen anderen zuzuhören.

Niemand soll zurückbleiben oder ausgeschlossen werden, wegen körperlicher, psychischer oder kultureller Einschränkungen.  Ich möchte Wege finden, dass sich viele Menschen eingeladen und sicher fühlen können, mit mir Naturismus und Tanz zu verbinden. 

Anna Halprin und Barbara Mettler, über die ich viel gelernt hatte, sind sicher die Personen, die ich als meine Leitbilder sehe.

Was fürchte ich? Was reizt mich?

  1. In unserem FKK-Verein gab es kaum Interesse und wohl auch Ablehnung für meine Angebote. Viele können sich nicht vorstellen, zu tanzen, unter keinen Umständen nackt. Dabei hatte ich gehofft, Interesse zu finden, gerade weil es sonst nur Gymnastik und Aerobic-Angebote gab, bei denen man was anziehen musste. Offenbar entsprach dieses Fehlen von Angeboten nackter Bewegung den Einstellungen in diesem Verein. Leider gelang es mir auch nicht, mit den Ablehnenden ins Gespräch zu kommen. Es wurde nicht mit, aber über mich geredet. Ich fürchte, das wird überall unter Naturist*innen ähnlich sein. Auseinandersetzung über Sexualität, Erotik, Scham oder Geschlechterrollen im Naturismus wird sogar mit der Begründung abgelehnt, solche Themen gehörten nicht zum Naturismus. Solche Denkblockaden sind leider oft so undurchdringlich, wie der Sichtschutz ums Gelände.
  2. Tatsächlich habe ich auf FKK-Veranstaltungen immer wieder Mittanzende bei kurzen Aktionen gefunden und sogar in unserem Verein konnte ich erreichen, dass ich Nichtmitglieder einladen durfte, was einige Male erfolgreich gelang Es waren immer schöne, aufregende Wochenenden. Zuletzt hatten wir auch das Märcherzählen in das Programm integriert. Leider wurde dieser Anfang durch Corona und die wieder wachsenden Probleme im Verein ausgebremst. Ich würde mich freuen, wenn ich wieder einen Ort und eine Gruppe von Tanzbegeisterten fände, die auch gern das nackte Tanzen probieren würden. Ich glaube, es könnte helfen, dem Naturismus bewegende Impulse zu geben.  
  3. Als alter, eher introvertierter Mann tauge ich wenig zum umschwärmten Tanzlehrer oder als Stimmungskanone. Es gibt entsprechende Kritik und auch Äußerungen, wie schön doch ein attraktives Tanzlehrerpaar wäre. Ich werde älter und meine Möglichkeiten werden nicht mehr.
  4. Mein Erfolg ist nun einmal nicht so riesig, aber was ich mache, ist kein Wettkampf. Es ist ungewöhnlich, verrückt, vielleicht sogar provozierend, anstößig und bewegend. Vielleicht ist es Kunst. Ich werde weiter dafür werben und vielleicht finden es wieder ein paar Leute interessant. Auch negative Rückmeldungen fände ich spannend, wenn es darüber zu einem Diskurs käme.

KiSong® – Meine persönliche Definition

„Hold less, Balance more.” John Grahams Satz, sagt für mich auch etwas wesentliches über das, was ich auch bei Ki Song finde. Es ist eine meditativ ausführbare Bewegungslehre, die hilft, in Ruhe und aufmerksam den Körper mit seinen Strukturen und Verbindungen, in Haltung, Flexibilität und fließenden Bewegungen zu erleben.

Durch die Verbindung von Atem und Bewegung wird diese lebendig und ausdrucksstark mit unserem ganzen Organismus verbunden. Es geht immer darum, mit wenig Spannung und viel Balance zu arbeiten. Es kann ein Warm Up für die aufmerksame Körperwahrnehmung sein.

Ich habe viel von KiSong® gelernt, auch zusätzlich zu dem, was n der Ausbildung vermittelt wurde. Es wurde immer in Verbindung zu Elementen von modernem Tanz gezeigt, von eine Lehrerin, die jahrelang Limontechnik unterrichtet hatte. Da es sich bei KiSong um eine geschützte Marke handelt, benutze ich es nur als Impression für die tänzerische Bewegung und nutze dabei auch Übungen aus unterschiedlicher Herkunft.

Welche Auswirkungen hatte das KiSong®-Training für meine tänzerische Kompetenz?

Nicht nur die Faszien, auch die Propriozeption und die Kinästhetik sind erstaunliche, funktionierende Systeme, die uns befähigen, alle Körperteile feinfühlig und elastisch in balancierter Bewegung zu halten.

Ein imaginärer Fokus auf elastische Gewebe, schwammartige Strukturen und Faszien hilft dabei, wunderbar lebendige Tanzbewegungen entstehen, spüren und geschehen zu lassen.  Mit solch formalen Bewegungen ist es möglich, bei mehreren Wiederholungen nachzuspüren, wie mit der Sensorik verbundene Motorik des ganzen Körpers wirkt. Dabei ist es möglich, von Mal zu Mal immer neue Empfindungen zu spüren, zu erleben und sie miteinander zu vergleichen.

Die themenzentrierte Interaktion Ich – Wir – Thema – Globe

War dieses Modell auf meine Unterrichtsvorbereitungen bzw. -reflexionen anwendbar?

Ich frage mich bei der Planung immer: Welches Thema bewegt mich gerade? Was könnte Erfolg haben? Was muss ich vorbereiten? Welche Fehler könnten mir unterlaufen? Womit habe ich gute Erfahrungen gemacht? Was fällt mir schwer? Was kann ich gut?

Das Wir ist bei meinen Aktionen häufig wechselnd und oft unvorhersehbar. Es gibt Angebote, an denen alle spontan teilnehmen können.

Wo es möglich war, habe ich versucht, Gruppen selbst etwas erarbeiten zu lassen, als RSVP oder in anderer Form. Teilnehmende, die schon mehrfach dabei waren, habe ich auch schon in die Vorbereitung, Werbung und Nachbereitung einbezogen.

Themen ergeben sich oft aus der Situation und den Interessen der Mittanzenden. Darüber habe ich durch zahlreiche Gespräche und Feedbacks erfahren. Gern würde ich Themen der Beteiligten mit einbeziehen. Diese könnten dann zu einem Projekt führen, mit einer gemeinsamen Zielvorstellung.  

Zum Globe stehe ich meist vor Fragen, wie: Woher kommen Hindernisse und Widerstand, woher Möglichkeiten und Unterstützung? Was kann ich von meinem Verein erwarten? Was könnte wen zu sehr provozieren? Wo finde ich am Ehesten Interessierte? Wie reagiere ich auf schlechtes Wetter? Lieber doch Indoor wenn möglich oder doch warme Kleidung? Wen interessiert mehr das nackte Tanzen, wen diese andere Art zu tanzen?

Meine TP Ausbildung – in pandemischen Zeiten.

Welche globalen Veränderungen gab es in der TP Ausbildung?

Es waren schreckliche, ungewisse Zeiten. Die Frage, ob möglicherweise infizierte Mitstudierende an einem Präsenzwochenende teilnehmen sollten und meine Entscheidung dazu, geht mir heute noch nach. Wir haben immer wieder vergeblich gehofft, dass die Pandemie gebremst werden könnte, dass sie vielleicht doch anders verläuft.

Dass meine Wochenenden im FKK-Verein gleich Anfang 2020 komplett abgesagt wurden, war für mich ein schrecklicher Schlag. Ich fand es auch schrecklich, wie dort Auseinandersetzungen um die Einschränkungen genutzt wurden, um den Vorstand, der mir viel ermöglicht hatte, anzugreifen.

Auch um andere Termine haben wir lange gebangt, bis sie doch stattfanden, begrenzt und mit wenig Beachtung.

Erst 2021 versuchte ich dann, die Kontakte mit Onlineangeboten wieder aufzunehmen, aber das Internet ist für viele NaturistInnen schwierig. Es braucht wohl mehr Vertrauen oder Menschen, die sich trauen. In England hatte die British Naturism – Organisation große Erfolge mit ihren Onlineangeboten.

Gab es strukturellen Veränderungen in der TP-Ausbildung?

Der vorgesehene Plan konnte nicht eingehalten werden, was sehr verunsichernd war. Wer konnte schon wissen, ob die Gruppe zusammenhalten würde und wann es wie weitergehen könnte.

Es gab wenig wirkliche Kontakte und noch weniger informelle Kontakte unter uns Studierenden. Es fehlten die langen intensiven Wochenenden im Zentrum. Sicher habe ich viel weniger Zeit für Fahrten gebraucht, was mir in meiner fragilen Situation auch entgegenkam.

Gab es Vorteile im Ausbildungsgeschehen durch die Pandemie?

Vorteile kann ich nicht wirklich sehen. Dass ich mich nun besser mit Onlinemedien auskenne und mit Videoproduktion Erfahrungen gesammelt habe, hätte ich gern auch ohne Pandemie erlebt. Die Kontakte über den Atlantik haben mich beeindruckt und begeistert. Auch dazu sollte ich besser Englisch sprechen und verstehen können. Im Grunde könnten mir die Internetmöglichkeiten bei meinem Problem helfen, dass viele Interessierte weit voneinander entfernt leben. Ohne Pandemie hätten wir sicher nicht die unglaublichen Tanzstunden unter den Buchen im Gysenberg Park erlebt. Zumindest die Erinnerung wird bleiben. Dass unser Kreis von Tanzenthusiasten zusammenblieb, ist denkwürdig.

Wie habe ich mich selbst in dieser Zeit geleitet?

Immer wieder musste ich mich aufraffen und zur Ordnung rufen, um weiterzumachen, wo ich manchmal kaum noch Sinn sah. Ich empfand dabei die Gruppe der Studierenden, die Peergroups und die Zusammenarbeit bei einzelnen Projekten als Unterstützung und Ansporn. Zuerst habe ich viel Energie in die Zoomkonferenzen gesteckt, die ich mangels Zuspruchs absagte, um mich auf die Vorbereitungen der Programme für Kroatien und den Rosenfelder Strand an der Ostsee zu kümmern. Es war etwas schwierig, mich zu motivieren, weil ich enttäuscht war und der Boden, auf dem meine Hoffnungen wachsen sollten, unsicher war. Als sich abzeichnete, dass beides stattfand, begann eine sehr intensive Arbeit. Es ging um mehrsprachiges Anleiten und Erzählen. Ich übte Englisch.

Schön war, dass zum Ende des Sommers überraschend doch noch zwei erfolgreiche Veranstaltungen in unserem Verein möglich wurden und dass dafür unsere Vereinsregeln nur ein wenig verändert wurden. Es war gut, dass ich weiter in Kontakt mit dem Vorstand blieb und wir dann kurzfristig mit einem Programm startbereit waren.

Das eigene Unterrichten

Seit 2018, versuchte ich bei meinen Tanzangeboten immer wieder, eine kurze Form einer RSVP als Abschluss einer Woche oder eines Wochenendes, durchzuführen. Der Erfolg war wechselnd. Viele Teilnehmende kannte ich nicht und für manche waren meine Ideen überfordernd oder entsprachen nicht ihren Erwartungen.

2020 übten wir in der Musikschule Elemente von Bewegungschören. Etwas davon kannte ich schon und hatte es auch schon angewandt. In dieser Form war mir vieles neu. Erst im August 2021 gelang es mir, auf dem Gelände meines Vereins eine Reihe der Elemente in Verbindung mit einem Märchen zu üben, mit großem Erfolg. Alle waren überraschend kreativ und hatten viel Freude am gemeinsamen Tanz. Die Verbindung von freier Improvisation, gegenseitiger Nachahmung und Achtsamkeit aufeinander, ist ein relativ einfacher Weg zu einem Gruppentanz, der sich zwischen Improvisation und Choreografie bewegt.

Unter den hohen Buchen, im Gysenberg-Park, begriff ich, dass KiSong® oder ähnliche formale Bewegungen, etwas sein könnte, das geeignet wäre, denen, die zu meinen Angeboten kommen, in kurzer Zeit Körperwahrnehmung bei bestimmten Bewegungen nahe zu bringen und durch Wiederholungen und unterschiedlichen Fokus auszubauen. Tatsächlich konnte ich es in Kroatien vormittags anwenden und damit für meine Tanzangebote am Nachmittag erfolgreich werben.

Bei einem „Tänzerischen Abendspaziergang, frei von Musik und Kleidung“, an der Ostsee, nutzte ich Impressionen aus KiSong® zu jedem Beginn an einem neuen Tanz-Ort. Schon bei diesem Tanzspaziergang spielten auch Bewegungschor-Elemente eine Rolle, wie eine Schlange mit wechselndem Kopf und Spiegeln der Bewegungen als Paar. Der Zusammenhang von Atmung und Bewegung mit Bezug zu Landschaft und Wellen, spielte immer eine Rolle.

Auch bei den Tanztagen in Witten nutzte ich ebenfalls KiSong® Impressionen als Teil des Warmups. Sowohl bei den Elementen des Bewegungschores und den KiSong®-Impressionen entstand durch die Aufforderungen, sich gegenseitig wahrzunehmen schnell ein gemeinsames, aufeinander bezogenes Tanzen.

Unter Nackten ist es ungewöhnlich, so genau auf die Körper der anderen zu achten. Als ich nachfragte, hatte niemand darin ein Problem gesehen, dies beim Tanzen zu tun. Im Rahmen der Aufgabe, war es einfach akzeptiert worden.

Was verlieh Dir Flügel?

Solche Erlebnisse wie diese haben mir immer ein paar Federn in die Flügel wachsen lassen. Dass jene, die dabei waren oder nur von ferne zusahen, die Tänze lobten und anerkannten war gut. Teilnehmende denen die Freude in den Augen stand, waren ein wahrhaft beflügelndes Erlebnis.

Leider weiß man bei solchen Events nie, ob man sich wiedersieht. Gefreut hat mich das Lob für meine Werbung, meine Beiträge in der DFK-Zeitschrift und meine Beiträge in FKK-Foren. Ich bekam auch auf meine Einladungen und Ankündigungen einige zustimmende Kommentare von Leuten, die gar nicht kommen konnten. Dass es tatsächlich Tanzverrückte gibt, die auch gern mal nackt tanzen, hat sicher manche überrascht und schon diese Überraschung hat sicher ihre Wirkung, auch bei jenen, die so etwas heute in der Freikörperkultur ablehnen, obwohl es früher dazu gehörte.

Gestaunt habe ich über den Erfolg der beiden spontanen Veranstaltungen im August und September 2021. Es war eine Überraschung, bestätigte aber meine Vermutung, dass es außerhalb der Vereine mehr Potential gibt.

Neu für mich war, dass ich die Zusammenarbeit mit Männern sehr positiv erlebte. Es sind nun mal eher Männer, die mit mir tanzen. Männer, die gern tanzen, stehen gegen ein verbreitetes Bild von Männlichkeit.  Uns typisch männlich oder weiblich zu verhalten, begrenzt aber unsere Möglichkeiten, wirklich frei unseren Interessen und Ideen zu folgen.

Die Zurückhaltung von Frauen in der Freikörperkultur finde ich traurig. Wir beide möchten Frauen Mut machen, ihre Grenzen zu verschieben und für sich das Recht einzufordern, auch nackt respektiert und geachtet zu werden.

Wie möchte ich zukünftig den Tanz in meiner Arbeit nutzen?

Bisher hatte ich bei meinen Aktionen das Ziel, erst einmal Menschen in Bewegung zu bringen, die Möglichkeiten der eigenen Beweglichkeit zu erkunden und die Scheu gemeinsam zu tanzen, abzubauen. In der Folge versuchte ich gern einen RSVP-Prozess oder eine ähnliche Form der tänzerischen Auseinandersetzung mit Bildern, Texten oder der Umgebung. Das war teilweise schön. Manche hatten aber auch Probleme damit. Offensichtlich ist dazu manchmal mehr Vorbereitung, mehr Zeit, nötig.

Mit KiSong®-Impressionen und Elementen der Bewegungschöre zu arbeiten hat sich als erfolgreich erwiesen, einer vielfältigen Gruppe, schon nach kurzer Zeit, ein eindrucksvolles, gemeinsames Tanzerlebnis zu vermitteln.

Auch der Erfolg von Tanz bei Spaziergängen, am Strand oder im Wald, möchte ich weiterentwickeln.

Es wird bei den längeren Veranstaltungen auch das Angebot geben, sich als Gruppe auf einen Auftritt vorzubereiten.  

Wir denken auch an Aktionen mit Massagen, Klanginstrumenten, Körpermalerei, immer mit Bewegung und Tanz verbunden, nach.

Auch über neue Onlineangebote denke ich noch nach. Das können Newsletter mit Anleitungsvideos sein und eben wieder Zoomkonferenzen.

Gegenwärtige Situation und Ausblick / Vision

Die Schlange in der Schöpfungsgeschichte zerstört das Vertrauen der Menschen in Gottes Güte, treibt sie an, selbst wie Gott zu werden. Doch als Adam und Eva sich mit Gottes Augen sehen, sich mit unendlichen Maßstäben messen, da erkennen sie nur, wie nackt und armselig sie sind. Als nächstes bedecken und verstecken sie sich und geben die Verantwortung an andere weiter. Der Teufelskreis von Rivalität ist in der Welt. *

* Der Lebensgarten, Heinrich Dickerhoff aus „Verlorene Paradiese-Gewonnene Königreiche“, Europäische Märchengesellschaft

Wir neigen dazu, uns von unserer unsauberen, unordentlichen Natur zu distanzieren, die sich weder an Schönheitsideale noch Anstandsregeln hält. Besonders Ausscheidung und Sexualität, auch an die Körperteile, die mit ihnen verbunden sind, denkt man ungern. Krankheiten, Altern und Sterben sind auch kein beliebtes Thema. Sie bedrohen unsere Pläne zu Fortschritt und Wachstum. Wir lieben die Natur eigentlich nur als gepflegte Idylle.

Gehen wir so wenig einsichtig mit unserer Welt um, weil wir ein innerliches Unwissen und Unverständnis der eigenen Leiblichkeit gegenüber haben? Wie ist es um die Eigenwahrnehmung bestellt, wie verhalten sich Menschen zu und mit ihrem Leib und wieviel erfahren sie von ihm? Kann ein besserer Zugang zu diesem Leib etwas an unserem Verantwortungsgefühl für unsere Natur und die Welt ändern? *

* Leib–Wahrnehmung–Bewegung, Rudolf von Laban, Frederick Alexander und Anna Halprin von Beate Schüler

Könnte Tanz uns zu solcher Eigenwahrnehmung verhelfen? Im Tanz um unser Selbst gerät unser Selbstbild in Bewegung und wir finden eine neue Balance zwischen uns und unserer Natur. Sogar die eigenen Selbstzwänge werden zum Ausgangspunkt, von dem aus, die Verhältnisse zum Tanzen gebracht werden können.*

* FrauenKörperTanz, S.: 267, Gabriele Klein

Mettler und Halprin gehörten nicht zu jenen, die feste Inhalte, Führung und Kontrolle als ihre Aufgabe sahen. Sie belebten nach dem Krieg die Idee, dass jeder Mensch Tänzer sei, während ein Rudolf von Laban die Bewegungschöre dem Nutzen für Volksgemeinschaft, Nation und Rasse untergeordnet hatte. Sie überließen es den Menschen, selbst, mit großer Achtsamkeit zu entdecken, was und wer sie sind, wie sie ihren wahrhaftigen Interessen folgen und gleichzeitig die Interessen aller anderen und der Welt achten und schützen können. Das ist in einer komplexen Welt besser, als auf eine autoritäre Führung zu vertrauen, die sagt, wozu was getan werden soll.

Die Behauptung, der Naturismus würde auch Frieden und Natur schützen, sollte nahelegen, es zusätzlich mit Tanz zu versuchen. Sicher sind gemeinsamer Tanz wie gemeinsame Nacktheit Ausdruck von Offenheit und Lebensbejahung. Wer zum Leben ja sagt, verschließt auch vor weniger angenehmen und gern verborgenen Seiten nicht die Augen. Statt der Idee einer reinen, der Welt enthobenen, naturidyllischen Nacktheit oder einem engelgleichen, überirdischen Tanz zu folgen, könnten wir uns mit beidem, unserer wirklichen Natur, auch in unserer bloßen Körperlichkeit, nähern, lernen sie zu akzeptieren und sie zu achten.

Das Hauptverdienst der FKK-Kultur ist …. gleichsam ihr Verhängnis: Sie zeigt Menschen, wie sie sind, nicht wie sie gern wären. Eine narzisstische Kränkung sondergleichen. Und ein klarer Fall: Diese Gesellschaft braucht nicht weniger Nudisten, sondern mehr. *

* Barbara Höfler, NZZ-am-Sonntag, Die nackte Wahrheit – 8.06.2016

Meine Frau und ich träumen gern, kommen manchmal nicht in die Gänge, sind verunsichert durch unsere eigenen Pläne, sind von Mangel an Lust und Selbstvertrauen geplagt, werden von einigen als Sonderlinge gesehen und ahnen, dass die Zeit für große Pläne bald vorbei sein kann. Was wir können, ist in jeder Weise begrenzt. Wir verfügen aber endlich über Zeit und Mittel, die uns die Freiheit geben unsere Möglichkeiten in der kleinen naturistischen Welt zu genießen. Wir hoffen, dabei noch viel Schönes zu erleben.

Beim Erzählen und Tanzen ist es naheliegend, nicht allein bleiben zu wollen. Erzähler und Tanzlehrer brauchen Zuhörende und Tanzende. Etwas mehr Beachtung als für die Schönheit von Barbara Mettlers Cereusblüte, würde uns schon freuen.

Welche Möglichkeiten uns in unserem oder anderen Vereinen zur Verfügung stehen werden, wird daran liegen, wie jeweilige Gremien aktuell entscheiden.  Es gibt aber viele schöne Gelände, die sich wunderbar betanzen ließen.

Gern würden wir mehr reisen, vielleicht gleich durch Europa zu allen möglichen FKK-Resorts. Eine Einladung nach Spanien ist verlockend und in Frankreich waren wir schon lange nicht mehr. Im FKK-Feriendorf Euronat wurde vor Jahren von einer alten Dame, in einer kleinen Arena am Wald,[1]  „Danse libre“ unterrichtet. Wäre es nicht Zeit, dort mal wieder zu tanzen?

https://www.youtube.com/watch?v=koSXhnJQDNQ

Unser Tun reicht sicher nicht, Welten zu bewegen. Vielleicht regt es hin und wieder ein paar Menschen zu einer schöpferischen Pause an, die Zeit bietet, in Ruhe zu spüren und zu empfinden, was ist und was möglich wäre und die erst enden sollte, wenn es Zeit ist einen neuen Tanz zu beginnen.

Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet!

Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt. *


* Günter Eich, 1951, Schlusssätze der Hörspielreihe „Träume“.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          

Ich möchte Wege finden, dass sich viele Menschen eingeladen und sicher fühlen können, bei der Verbindung von Tanz und FKK mitzumachen.


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